Erstsemesterbegrüßung
10.10.2026Informatik studieren: Mehr als Programmieren und Kompetenzen erwerben
Gedanken zur Einführung in das Informatikstudium an der Frankfurt University of Applied Sciences
Herzlichen Glückwunsch zur Entscheidung, Informatik zu studieren! Sie haben sich für ein Fach entschieden, das heute nahezu alle Lebensbereiche prägt und dessen Bedeutung in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird. Informatik eröffnet vielfältige berufliche Perspektiven: von Softwareentwicklung und IT-Sicherheit über Datenanalyse und künstliche Intelligenz bis hin zu Anwendungen in Wissenschaft, Wirtschaft, Medizin und Industrie.
Doch was bedeutet es eigentlich, Informatik zu studieren? Und was sollte ein Hochschulstudium vermitteln, wenn sich Technologien, Programmiersprachen und Werkzeuge in immer kürzeren Abständen verändern?
Informatik ist mehr als Programmieren
Informatik wird häufig mit dem Programmieren von Computern gleichgesetzt. Tatsächlich ist Programmierung ein wichtiges Werkzeug unseres Fachs, aber sie ist nicht mit Informatik gleichzusetzen. Der Informatiker Edsger W. Dijkstra wird mit dem bekannten Vergleich zitiert, dass es in der Informatik ebenso wenig um Computer gehe wie in der Astronomie um Teleskope.
Der Vergleich bringt einen wesentlichen Punkt zum Ausdruck: Entscheidend ist nicht allein, welche Werkzeuge wir verwenden, sondern welche grundlegenden Konzepte, Methoden und Zusammenhänge wir verstehen.
Informatikerinnen und Informatiker beschäftigen sich mit Algorithmen, Datenstrukturen, Informationsverarbeitung, komplexen Systemen und den Möglichkeiten und Grenzen automatisierter Verfahren. Sie analysieren Probleme, entwickeln Lösungsansätze, überprüfen deren Korrektheit und bewerten ihre Auswirkungen. Dazu gehören mathematisches Denken und Abstraktionsvermögen ebenso wie Kreativität, Kommunikation und die Fähigkeit, mit anderen Menschen gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Auch die beruflichen Tätigkeiten sind vielfältiger, als es das verbreitete Bild vom Programmieren am Bildschirm vermuten lässt. Informatiker arbeiten in Teams, diskutieren Entwürfe, analysieren Anforderungen, entwickeln Ideen, präsentieren Ergebnisse und setzen technische Lösungen in ganz unterschiedlichen Anwendungskontexten um. Informatik ist deshalb nicht nur eine technische Disziplin, sondern auch eine kreative und soziale Tätigkeit.
Warum Grundlagen wichtiger werden
Wer ein Informatikstudium beginnt, wird im Laufe der nächsten Jahre zahlreiche Programmiersprachen, Bibliotheken, Entwicklungsumgebungen und technische Werkzeuge kennenlernen. Viele davon werden im späteren Berufsleben in veränderter Form auftreten oder durch neue Technologien ersetzt werden.
Das ist kein Grund, auf praktische Fähigkeiten zu verzichten. Im Gegenteil: Praktische Erfahrungen sind unverzichtbar, um theoretische Konzepte zu verstehen und anzuwenden. Allerdings sollten sie nicht zum alleinigen Maßstab eines Studiums werden.
Je schneller sich Technologien verändern, desto wichtiger wird ein Verständnis ihrer Grundlagen. Wer die Prinzipien hinter einem Verfahren verstanden hat, kann sich leichter in neue Technologien einarbeiten, deren Möglichkeiten einschätzen und ihre Grenzen erkennen. Wer dagegen lediglich gelernt hat, ein bestimmtes Werkzeug zu bedienen, ist stärker von dessen konkreter Ausgestaltung abhängig.
Das Ziel eines Hochschulstudiums besteht daher nicht darin, Studierende auf die unveränderte Wiederholung heute bekannter Arbeitsabläufe vorzubereiten. Es soll sie vielmehr befähigen, sich auch mit Problemen auseinanderzusetzen, für die es noch keine fertigen Lösungen gibt.
Bildung statt bloßer Kompetenzorientierung
Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage: Was bedeutet Bildung an einer Hochschule?
Der preußische Bildungsreformer Wilhelm von Humboldt formulierte in seinen Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen aus dem Jahr 1792:
Der wahre Zweck des Menschen […] ist die höchste und proportionirlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen.
Zu dieser Bildung ist Freiheit die erste, und unerlässliche Bedingung.
Humboldts Bildungsverständnis geht über die Vermittlung einzelner Fähigkeiten hinaus. Bildung bedeutet, die eigenen Kräfte und Möglichkeiten zu entwickeln, sich selbstständig mit der Welt auseinanderzusetzen und die eigene Persönlichkeit auszubilden.
Auf ein Informatikstudium übertragen heißt das: Es geht nicht nur darum, bestimmte Kompetenzen zu erwerben oder Prüfungen erfolgreich abzulegen. Es geht auch darum, Neugier zu entwickeln, Fragen zu stellen, Zusammenhänge zu erkennen, eigene Ideen zu verfolgen und ein begründetes Urteil zu bilden.
Natürlich müssen Studierende konkrete Fähigkeiten erwerben. Sie sollen programmieren, mathematische Methoden anwenden, Daten analysieren und technische Systeme entwickeln können. Aber diese Fähigkeiten entfalten ihren eigentlichen Wert erst dann, wenn sie in einen größeren Zusammenhang eingeordnet werden können.
Bildung ist mehr als die Ansammlung von Skills. Sie umfasst auch die Fähigkeit, über das eigene Wissen nachzudenken, unterschiedliche Perspektiven abzuwägen und selbstständig zu entscheiden, welche Fragen wichtig sind und welche Lösungen überzeugen.
Urteilskraft in einer Welt der künstlichen Intelligenz
Die Bedeutung dieser Bildungsziele wird durch die Entwicklung künstlicher Intelligenz besonders deutlich. Generative KI kann heute Programmcode schreiben, Texte formulieren, Informationen zusammenfassen und bei der Lösung komplexer Aufgaben helfen. Viele Tätigkeiten, die bislang als anspruchsvolle menschliche Leistungen galten, lassen sich inzwischen zumindest teilweise automatisieren.
Damit verändert sich auch die Frage, was wir lernen müssen. Wenn eine KI innerhalb weniger Sekunden einen Programmvorschlag erzeugen kann, reicht es nicht aus, selbst ebenfalls möglichst schnell Code zu produzieren. Wir müssen beurteilen können, ob der erzeugte Code korrekt, sicher, verständlich und für die jeweilige Aufgabe geeignet ist.
KI-Systeme liefern Ergebnisse, aber diese Ergebnisse sind nicht automatisch richtig. Sie können Fehler enthalten, wichtige Voraussetzungen übersehen oder überzeugend klingende, aber unzutreffende Behauptungen formulieren. Ihre Nutzung setzt deshalb Kenntnisse voraus, mit denen sich die Ergebnisse überprüfen und kritisch einordnen lassen.
Hier wird die Urteilskraft zu einer zentralen Fähigkeit. Gemeint ist die Fähigkeit, Informationen nicht einfach zu übernehmen, sondern sie selbstständig zu prüfen, Argumente abzuwägen und zu einem begründeten Urteil zu gelangen.
Gerade im Umgang mit KI reicht es nicht, gute Fragen zu stellen oder möglichst geschickte Eingaben zu formulieren. Man muss auch erkennen können, wann eine Antwort unzureichend ist, welche Informationen fehlen und welche Konsequenzen sich aus einer vorgeschlagenen Lösung ergeben. Dafür braucht es fachliches Wissen, methodische Sicherheit und die Bereitschaft, die eigenen Annahmen infrage zu stellen.
KI als Sparringspartner – nicht als Ersatz für das Lernen
Wie sollte man vor diesem Hintergrund KI im Studium einsetzen?
Mein Rat ist, KI nicht dazu zu verwenden, sich die eigentliche Lernarbeit abnehmen zu lassen. Wer eine Übungsaufgabe von einem KI-System lösen lässt, erhält möglicherweise schnell ein überzeugendes Ergebnis. Damit ist aber noch nicht sichergestellt, dass man den Lösungsweg verstanden hat oder eine ähnliche Aufgabe später selbstständig bearbeiten kann.
Der Unterschied zwischen einem guten Arbeitsergebnis und einem nachhaltigen Lernerfolg ist entscheidend. Ein fertig generierter Programmcode kann funktionieren, ohne dass man ihn selbst erklären, verändern oder auf Fehler untersuchen kann.
Sinnvoller ist es, KI als Sparringspartner zu nutzen. Man kann sich alternative Lösungsansätze erklären lassen, Gegenargumente anfordern, eigene Überlegungen überprüfen oder zusätzliche Übungs- und Klausuraufgaben generieren lassen. Man kann sich Hinweise geben lassen, ohne sofort die vollständige Lösung zu erhalten. Und man kann versuchen, eine Antwort der KI zu widerlegen oder ihre Voraussetzungen kritisch zu untersuchen.
So wird KI nicht zum Ersatz für das eigene Denken, sondern zu einem Werkzeug, mit dem sich das eigene Denken trainieren lässt.
Entscheidend ist, dass die geistige Arbeit nicht vollständig an das System delegiert wird. Denn wer nur Ergebnisse konsumiert, entwickelt nicht automatisch die Fähigkeiten, die zur selbstständigen Erzeugung und Bewertung solcher Ergebnisse notwendig sind.
Studieren heißt auch, sich selbst zu bilden
Ein Studium besteht nicht allein aus Lehrveranstaltungen, Prüfungen und dem Erwerb von Leistungspunkten. Es ist auch eine besondere Lebensphase, in der man neue Interessen entdeckt, unterschiedliche Sichtweisen kennenlernt und die eigene Persönlichkeit weiterentwickelt.
Das Wort studieren geht auf das lateinische studere zurück: sich um etwas bemühen, etwas betreiben, nach etwas streben. Dieser ursprüngliche Sinn erinnert daran, dass ein Studium Eigeninitiative voraussetzt.
Nutzen Sie deshalb die Möglichkeiten, die Ihnen die Hochschule bietet. Suchen Sie den Austausch mit Ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen, bilden Sie Lerngruppen und diskutieren Sie über fachliche Fragen. Erklären Sie einander Lösungswege und versuchen Sie, unterschiedliche Ansätze zu verstehen. Oft lernt man besonders viel, wenn man einen Sachverhalt jemand anderem verständlich machen muss.
Suchen Sie auch aktiv den Kontakt zu Ihren Dozentinnen und Dozenten. Stellen Sie Fragen, sprechen Sie über eigene Ideen und interessieren Sie sich für Themen, die über die unmittelbaren Prüfungsanforderungen hinausgehen. Hochschulen sind nicht nur Orte, an denen Wissen vermittelt wird, sondern auch Orte, an denen Wissen gemeinsam erarbeitet, hinterfragt und weiterentwickelt wird.
Wer sich darüber hinaus engagieren möchte, findet beispielsweise in studentischen Open-Source-Initiativen Möglichkeiten, eigene Projekte umzusetzen, mit Linux und freien Technologien zu experimentieren und von anderen zu lernen. Auch studentische Forschungsprojekte und technische Teams bieten Gelegenheit, praktische Erfahrungen zu sammeln und Verantwortung zu übernehmen.
Solche Aktivitäten sind keine bloßen Ergänzungen zum eigentlichen Studium. Sie können einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, fachliche Interessen zu vertiefen, selbstständig zu arbeiten und die eigenen Fähigkeiten im Austausch mit anderen weiterzuentwickeln.
Die Zukunft lässt sich nicht vollständig vorhersagen
Die Informatik entwickelt sich rasant. Welche Technologien in einigen Jahren dominieren werden, welche Berufe sich verändern und welche neuen Tätigkeitsfelder entstehen, lässt sich nur begrenzt vorhersagen.
Alan Kay wird der Satz zugeschrieben:
The best way to predict the future is to invent it.
Dieser Gedanke passt gut zur Informatik. Wer sich mit neuen Ideen beschäftigt, technische Möglichkeiten erprobt und eigene Lösungen entwickelt, gestaltet die Zukunft aktiv mit, statt lediglich auf Veränderungen zu reagieren.
Dazu gehört auch die Bereitschaft, sich mit ungewöhnlichen Ideen auseinanderzusetzen. Nicht jede Idee wird sich als sinnvoll erweisen. Gerade deshalb sind kritisches Denken, systematisches Vorgehen und die Fähigkeit wichtig, die eigenen Vorstellungen anhand von Argumenten und Experimenten zu überprüfen.
Ein Beispiel dafür ist die Frage, ob sich aus WLAN-Signalen Informationen über Bewegungen oder Aktivitäten in einem Raum gewinnen lassen. Eine solche Idee mag zunächst ungewöhnlich erscheinen. Durch systematische Analyse, geeignete Modelle und sorgfältige Experimente kann daraus jedoch ein ernst zu nehmendes Forschungsproblem werden. Gute Informatik beginnt häufig mit einer Frage, deren Antwort noch nicht bekannt ist.
Ein Studium als Chance zur Persönlichkeitsentwicklung
Ein Bachelorabschluss in Informatik ist ein erster akademischer Abschluss und eröffnet vielfältige berufliche Möglichkeiten. Er kann zugleich den Ausgangspunkt für ein Masterstudium, eine wissenschaftliche Laufbahn oder eine Promotion bilden.
Unabhängig davon, welchen Weg Sie anschließend einschlagen, sollte das Studium mehr bewirken als die Vermittlung unmittelbar verwertbarer Fähigkeiten. Es sollte Ihnen helfen, neue Probleme selbstständig zu erschließen, sich in unbekannte Themen einzuarbeiten, technische Entwicklungen kritisch zu bewerten und Verantwortung für die eigenen Entscheidungen zu übernehmen.
Dafür sind Grundlagenwissen, praktische Erfahrung und methodische Kompetenz unverzichtbar. Ebenso wichtig sind Neugier, Kreativität, Eigeninitiative und die Bereitschaft, sich mit Fragen auseinanderzusetzen, auf die es keine einfachen Antworten gibt.
Wilhelm von Humboldt formulierte in seiner Theorie der Bildung des Menschen einen Gedanken, der auch heute zum Nachdenken anregt:
[…] dass zwar Vieles um uns her zu Stande gebracht, aber nur wenig in uns verbessert wird.
Das ist vielleicht eine der wichtigsten Herausforderungen des Studiums: Nicht nur möglichst viel zu erreichen, sondern sich selbst weiterzuentwickeln.
Nutzen Sie Ihr Studium deshalb nicht nur, um Wissen und Kompetenzen zu erwerben. Nutzen Sie es, um sich zu bilden. Lernen Sie, selbstständig zu denken, Fragen zu stellen, Ideen zu entwickeln und begründete Urteile zu fällen. Gerade in einer Welt, in der künstliche Intelligenz immer mehr Aufgaben übernehmen kann, wird die Fähigkeit, eigenständig zu urteilen und verantwortlich zu handeln, zu einem entscheidenden Teil akademischer Bildung.
Disclaimer: Der obige Text ist eine Interpretation von ChatGPT meines (ohne KI generierten) Textes der Einführungspräsentation.