Nervennahrung
14.07.2026
Zensursula kann es nicht lassen. Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen “will das australische Modell drastisch ausweiten und plant flächendeckende Alterskontrollen im Netz” . Wieder mal dient das Argument Kinderschutz als Vorwand, staatliche Kontrolle auszuweiten. Setzt von der Leyen sich durch, müssen alle EU-Bürger für Social-Media+ in Zukunft die EU App zur Altersverifikation nutzen. Ein Schelm, wer böses dabei denkt und ein Naivling, wer davon ausgeht, daß es bei anonymen Altersverifikation dann bleiben wird. Allerdings gehört das Recht auf Anonymität im digitalen Raum zu den Grundrechten und daher wären Verfassungsklagen vorprogrammiert - s. a. den Kommentar des FAZ Redakteurs und -Kolumnisten Dr. Michael Spehr: “Um es noch einmal klar zu sagen: es geht nicht um Kinderschutz, sondern um das Ende der anonymen Nutzung des Internet, um Klarnamenpflicht, Chatkontrolle und eine Pflicht zur Nutzung der EUDI Wallet. Das ist das Ende des freien Internet. Vieles davon widerspricht dem deutschen Grundgesetz oder höchstrichterlicher Rechtsprechung.”. Nach der Chatkontrolle der nächste Angriff auf die Freiheit. Liberale Menschen und Ansichten haben es in diesen Zeiten anscheinend immer schwerer - von China lernen heißt siegen lernen?!
10.07.2026
heißt in der EU: Das europäische Parlament stimmt drei Mal! in Folge mit deutlicher Mehrheit gegen die Chatkontrolle und damit ist sie beschlossen. Muß man nicht verstehen, funktioniert aber aufgrund von Verfahrenstricks und hilft bestimmt ungemein, die EU-Begeisterung bei der Bevölkerung zu stärken und den zunehmenden Rechtspopulismus in Europa zu bekämpfen. Verantwortlich für diese Sauerei sind die europäischen Konservativen (EVP) mit Manfred Weber (CSU) als Drahtzieher. Inhaltlich ist die Chatkontrolle eine anlasslose Überwachung der privaten digitalen Kommunikation von 450 Millionen Bürgern. China läßt grüßen.
12.06.2026
Der zunehmende Einsatz von AI in der Mathematik und der Einfluß dieser Technologie auf die Mathematik hat die Community auf den Plan gerufen: “This declaration calls for action to address the challenges posed by the use of artificial intelligence within mathematics research” und findet Unterstützung der IMU. Die in der Deklaration formulierten Gedanken sind in Gänze lesenswert und auch für die Informatik als Grundlagenwissenschaft relevant. (Für die praktische Informatik ergeben sich noch ganz andere Herausforderungen, über die ich an anderer Stelle schreiben werde.)
12.06.2026
Am Mittwoch hatte ich das Vergnügen mit den geschätzten Kollegen Martin Simon und Stefanie Hollborn vom DWD den Abschlußvortrag der Ringvorlesung “Ringvorlesung ‘Responsible AI – Transformation gestalten, Verantwortung übernehmen’” gestalten zu können. Der Titel unseres gemeinsamen Vortrags war “Wenn Algorithmen das Wetter lernen: Fortschritte, Grenzen und Verantwortung” und einen Bericht finden Sie hier.
27.04.2026
It is my pleasure to announce the Twelfth Spanish-German Symposium on Applied Computer Science (SGSOACS 2026) taking place in Oberursel, specifically at the
Conference Venue Waldtraut Oberursel
Hohemarkstrasse 192
61440 Oberursel
on June 30th to July 1st 2026.
For further information and registration, please use this link.
The important dates to note are as follows:
- Paper Submission Deadline: May 15th, 2026.
- Notification of acceptance: June 2nd, 2026.
- Camera Ready Deadline: June 15th, 2026.
- SGSOACS 2026: June 30-July 1st, 2026.
Similar to year, accepted conference papers will be published as Springer CCIS proceedings.
24.03.2026
Letzte Woche war ich mit den Kollegen Martin Simon, Gian Luca Buono und Angelica Castillo Tibocha auf der ICCARUS (ICON/COSMO/CLM/ART User Seminar) 2026 einer vom DWD organisierten Konferenz der Meteorologen. Ein großes Thema war KI und ihr Einsatz im Rahmen von Wettervorhersagen und -modellierung. Die Konferenz war wunderbar organisiert und voller spannender Vorträge. Auch unsere Hochschule erforscht - zusammen mit der LUT - und dem DWD Einsatzmöglichkeiten von KI-Verfahren in diesem Kontext. Ein erstes Preprint, das die Fehler von Beobachtungsdaten von Satelliten modelliert, haben wir dazu gestern auf ArXiv veröffentlicht.
30.11.2025
Eine Woche mit vielen bildungspolitischen Negativschlagzeilen geht zu Ende:
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In der FR macht Jutta Dithfurth auf die Konsequenzen der rigorosen Sparpolitik an unserer Hochschule aufmerksam: “UAS-Präsident Kai-Oliver Schocke und der Hessische Landtag sparten die Hochschule regelrecht kaputt. […] Die Hochschule (wolle) übertrieben viele Studienplätze abbauen, was besonders die Soziale Arbeit und die Informatik betreffe.” ferner führt sie aus, daß der “der autoritär“ agierende Hochschulpräsident statt auf Studierende lieber auf Protzbauten für die Informatik setze”. In letzterem Punkt irrt die Lokalpolitikerin von Ökolinx allerdings gleich mehrfach. Leider ist der Neubau kein “Protzbau” und auch kein Bau für die Informatik, sondern ersetzt das alte Gebäude 7, das Labore, Werkstätten, Seminarräume und Büros für die Ingenieurwissenschaften unserer HS zur Verfügung stellt. Und angemessene Räumlichkeiten sind für Bildung der nächsten Generation einer Industrienation ebenso notwendig wie Personalressourcen - das sollte man in Zeiten, in denen manche Lastenfahrräder für die Zukunft halten, nicht vergessen. Aber daß durch die rigorose Sparpolitik gerade auch diejenigen Fächer massiv beschädigt werden, für die sowohl auf der Angebots- als auch Nachfrageseite Bedarf besteht, nämlich Informatik und Soziale Arbeit, ist wahr und das Gegenteil nachhaltiger Bildungs- und Standortpolitik.
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Derweil protestieren an der TU Darmstadt Studenten gegen die Schließung von gleich drei Studiengängen wegen Geldmangels.
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Die Kürzungen sind kein Spezifikum der hessischen Landespolitik, sondern reihen sich ein in das deprimierende Bild, das Deutschland seit vielen Jahren schon abgibt. Das Institut der Wirtschaft berichtet in seinem Bericht über die öffentlichen Ausgaben darüber, daß Deutschland in Europa, was Sozialtransfers angeht, den ersten Platz einnimmt und in den Bildungsausgaben den letzten Platz - abgeschlagen gegenüber skandinavischen Ländern oder auch Österreich - einnimmt. Und das ist leider schon seit mindestens zwei Dekaden. Man kann das als Lobbypolitik abtun oder drüber nachdenken, ob eine Gesellschaft mit dieser Verteilung von öffentlichen Ausgaben zukunftsfähig ist oder nicht.
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Der Gemeinsam Bibliotheksverbund GBV - ein Betrieb des Landes Niedersachsen und damit eine staatliche Stelle - hat der in Berlin ansässigen Bibliothek des Konservatismus (BdK) ohne Angabe von Gründen die Mitgliedschaft im Gemeinsamen Bibliotheksverbund zum 31. Dezember 2025 gekündigt. Anfragen an die Direktorin Regine Stein blieben bisher ohne Antwort. Das Presseecho ist verhalten, aber verheerend, so fragt die NZZ:“Sind Bücher gefährlich? Die Verbannung einer konservativen Bibliothek aus der öffentlichen Wahrnehmung ist ein Armutszeugnis” und Ferdinand Knauß kommentiert im Cicero Welt: “Ein Wissenschaftsministerium macht Bücher unsichtbar”.
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An der von Jesuiten gegründeten, renommierten Hochschule für Philosophie in München sollte der Philosoph Sebastian Ostritsch einen Vortrag zum Thema “Gottesbeweise bei Thomas von Aquin und Immanuel Kant” halten. Nach Protesten einer unbestimmten (kleinen?!) Anzahl von Studenten gegen den “rechten” Philosophen, entschied die Hochschulleitung, den Vortrag abzusagen, mit der in solchen Fällen üblichen Begründung: “Die Sicherheit von Referent und Veranstaltung habe nicht gewährleistet werden können.” Man weiss nicht, was man schlimmer halten soll - die totalitäre Gesinnung der Studenten, die Canceln fordern, anstatt sich der Diskussion zu stellen, oder die rückgratlose Feigheit der Hochschulleitung. Das ganze ist jedenfalls so absurd, daß sich die Zeit fragt: “Ob Leo XIV. und Papst Franziskus oder gar Papst Benedikt heute in der Hochschule hätten sprechen können? Die Pointe, daß hier ein katholischer Denker mit weit verbreiteten katholischen Positionen nicht etwa von der Rosa-Luxemburg-Stiftung gecancelt wird, sondern von einer immerhin katholischen Einrichtung – das macht die Geschichte pikant. […] Das Einknicken der Hochschulleitung angesichts einiger Protestler bleibt ein leider so typischer wie beschämender Vorgang.”
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Letzte Woche erschien auch ein interessantes Paper zur Cancel-Culture an deutschen Hochschulen mit der Schlussfolgerung: “A substantial number of German university students support restrictions on academic debate on campus, including the cancellation of talks, the revocation of teaching positions, and the removal of books”. Dabei befürworten linke Studenten deutlich häufiger Cancel Culture und es wird deutlich häufiger befürwortet, konservative Meinungen zu canceln.
Einer der Autoren, Richard Traunmüller, denkt, dass der Wunsch zu canceln “auf der linken Seite ausgeprägter” sei, weil man glaube, “dass man auf der guten Seite” stehe. Grundlage sei “eine sehr einfache Schwarz-Weiß-Ideologie.
14.11.2025
In einem exzellenten Beitrag kritisiert Philipp Hübl im DLF den aktivistischen Irrsinn, der zunehmend weltweit auch in der Wissenschaft um sich greift. Konkreter Anlaß ist die Aufforderung der Herausgeber des angesehenen Journals “Nature Reviews Psychology”, Publikationen von Minderheiten häufiger zu zitieren, um inklusiver zu schreiben. Diese und ähnliche Dinge werden zunehmend von den internationalen Wissenschaftsverlagen den Wissenschaftlern aufoktroyiert. Ich wurde als Gutachter für Elsevier z. B. nach meiner “Gender Identity” (was immer das sein mag), meiner Rasse und Ethnie befragt - noch?! freiwillig.
14.11.2025
Zusammen mit dem Kollegen Martin Simon durfte ich dieses Jahr den “3rd International Workshop on Statistics, Machine Learning and Applications” in Kaub organisieren. Wie Sie dem Bericht auf der Webpage des Fachbereichs entnehmen können, waren diesmal sechs Hochschulen und Wissenschaftler aus Deutschland, Finnland, Spanien und Großbritannien beteiligt und haben aktuelle Themen aus Statistik, Maschinellem Lernen und praktische Anwendungen diskutiert - für mich ein persönliches Highlight des Jahres - auch und gerade wegen der engen Kontakte, die sich inzwischen zu einigen der Kollegen ergeben haben und wegen der ungezwungenen Arbeitsatmosphäre.
26.10.2025
Meine Doktorandin Anita Farhang hat mithilfe von KI-Methoden Wartungsprobleme bei Windturbinen untersucht. Das eingereichte Paper “Explainable artificial intelligence for time series using attention mechanism: Application to wind turbine fault detection” wurde jetzt zur Veröffentlichung (doi:10.1109/ACCESS.2025.3621003) akzeptiert - ganz herzlicher Glückwunsch!
Das sind die aktuellen Beiträge; alte Beiträge gibt es im Archiv.